Topspiel auch als EM-Casting

Stand: 28.03.2024 18:03 Uhr

Das Topspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund ist deutlich weniger Topspiel als in den Jahren zuvor. Außer um Bundesligapunkte geht es für viele deutsche Nationalspieler um eine EM-Bewerbung, vor allem für ehemalige.

Als rechter Verteidiger Niklas Süle, innen Mats Hummels und Nico Schlotterbeck, links hinten Marius Wolf, davor Emre Can als Abräumer und Felix Nmecha als Mischung aus “Sechser” und “Achter”, im offensiven Mittelfeld Julian Brandt rechts und Karim Adeyemi links, auf der “Zehn” Marco Reus, als Stürmer Niclas Füllkrug, der später von Youssoufa Moukoko unterstützt oder ersetzt wird: So könnte Borussia Dortmunds Trainer Edin Terzić seine Feldspieler für die Partie am Samstag (30.03.2024, ab 18.20 Uhr in voller Länge im Audiostream) zusammenstellen.

Das wäre dann eine Komposition aus ehemaligen und aktuellen deutschen Nationalspielern, wobei die ehemaligen eindeutig in der Überzahl wären. Aktuell stand nur Füllkrug im Kader von Bundestrainer Julian Nagelsmann, und der saß bei den beiden Testspielen gegen Frankreich und die Niederlande, als er das Siegtor zum 2:1 erzielte, zunächst auf der Bank.

Beim Anpfiff in Frankfurt war nur ein Dortmunder Nationalspieler auf dem Platz, und der heißt Donyell Malen. Auch in München dürfte der Niederländer starten, genau wie sein Landsmann Ian Maatsen, der Norweger Julian Ryerson, der türkische Nationalspieler Salih Özcan und der Engländer Jadon Sancho.

Auch wenn es ein paar Diskussionen gab, schüttelte niemand lange mit dem Kopf, warum Nagelsmann auf diesen oder jenen Dortmunder verzichtete, und auch Terzić wird kaum dafür an den Pranger gestellt werden, wenn er diesen oder jenen ehemaligen deutschen Nationalspieler auf der Bank lässt.

Schwieriger April für den BVB

Der Bundestrainer sagte nach dem Spiel gegen die Niederlande, dass er die meisten Plätze im Kader für die Europameisterschaft schon vergeben habe. Wer nicht dabei gewesen sei, aber das Turnier im eigenen Land spielen möchte, müsse in den kommenden Wochen zeigen, dass er “deutlich besser” in Form sei als die, die gerade einen hohen Vertrauensvorschuss erhielten.

Gelegenheiten ergeben sich für die Profis von Borussia Dortmund genug, denn nach dem Duell beim Tabellenzweiten geht es in der Bundesliga gegen den Dritten, den VfB Stuttgart, dann in der Champions League in Madrid gegen Atlético. Es folgt ein Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach, das Rückspiel gegen Atlético und das Heimspiel gegen Spitzenreiter Bayer Leverkusen, bevor der April mit der Partie bei RB Leipzig abgeschlossen wird, dem aktuellen Hauptkonkurrenten um eine erneute Qualifikation für die Champions League.

In den bisherigen Spielen gegen Mannschaften aus der aktuellen Top 5 der Tabelle holte der BVB nur einen Punkt, beim 1:1 in Leverkusen. Die Heimspiele gegen München und Leipzig gingen verloren, ebenso das Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart.

Terzić will “sehr mutig” spielen lassen

“Die nächsten Wochen werden extrem spannend”, sagte Terzić während der Pressekonferenz vor dem Spiel in München, bei dem er selbstverständlich auch auf die vergangenen Partien beim Meister angesprochen wurde. Neunmal hintereinander verlor der BVB, kassierte dabei 37 Tore, also im Schnitt etwas mehr als vier pro Partie.

Im Hinspiel waren es exakt vier, die Dortmunder schossen keines, und auch deshalb haben sie zehn Punkte Rückstand auf die Münchner, die wiederum zehn Punkte weniger als Leverkusen haben. Es fällt schwer, den sogenannten Klassiker als klassisches Topspiel zu verkaufen, wie es in den vergangenen Jahren häufig der Fall war, auch wenn sich im Nachhinein meistens ein klarer Sieger fand.

“Sehr mutig” wolle der BVB auch dieses Mal auftreten und “zeigen, dass unsere Saison noch lange nicht fertig ist”, sagte Terzić, “wir wissen natürlich, dass wir in eine Phase kommen, in der wir uns wenige Ausrutscher leisten dürfen.”

Tuchel hat nur acht deutsche Nationalspieler, streng genommen nur sieben

Der Dortmunder Trainer ist überzeugt, dass “die Bayern noch lange nicht aufgegeben haben”. So ist das auch von seinem Münchner Kollegen Thomas Tuchel zu hören, der von 2015 bis 2017 beim BVB arbeitete und in dem Zeitraum die Bundesligaspiele beim FC Bayern mit 1:5 und 1:4 verlor.

Wollte Tuchel gegen den BVB nur ehemalige oder aktuelle deutsche Nationalspieler aufbieten, hätte er mit Manuel Neuer zwar einen überragenden Torwart, aber nur sieben Feldspieler. Streng genommen sind es sogar nur sechs, denn Aleksandar Pavlović wurde zwar erstmals in den Kader für die Länderspiele im März berufen, musste aber wegen einer Mandelentzündung absagen.

Der 19 Jahre Mittelfeldspieler konkurriert bei den wenigen Plätzen, die Nagelsmann noch zu vergeben hat, mit seinem Mannschaftskollegen Leon Goretzka. Der war bei den Testspielen gegen Frankreich und den Niederlanden nicht dabei, genau wie Leroy Sané und Serge Gnabry. Im Gegensatz zu Sané, der für Länderspiele noch gesperrt ist, aber vom Bundestrainer einen Kaderplatz versprochen bekam, muss Gnabry in den kommenden Wochen beweisen, dass er deutlich besser ist als andere.

Im sogenannten Klassiker dürfte er aber zunächst auf der Bank sitzen, wie so viele andere deutsche Nationalspieler auch.

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