Nagelsmann mit Stringenz und Risiko

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Stand: 16.05.2024 13:46 Uhr

Julian Nagelsmann beruft einen vorläufigen Kader, der nach den jüngsten Eindrücken logisch und konsequent erscheint. Genau deshalb birgt er aber auch ein gewisses Risiko für den Bundestrainer.

In seinen neun Monaten als Bundestrainer hat Julian Nagelsmann häufiger mal die Richtung gewechselt. Sätze, die als seine Philosophie galten, waren plötzlich nur noch schnell verworfene Gedanken.

Vor den beiden Länderspielen gegen Frankreich und die Niederlande entschied sich der Bundestrainer für einen fast schon radikalen Kurswechsel. Nach den beiden erfolgreichen Spielen wäre ein neuerliches Abweichen weder sinnvoll noch glaubwürdig gewesen.

Insofern ist die Benennung des vorläufigen Kaders der deutschen Fußballnationalmannschaft für die Europameisterschaft 2024 logisch und konsequent.

Kader bietet wenig Diskussionsstoff

Von den Regularien her hätte Nagelsmann auch weitere Namen auf die Liste setzen können, wie etwa Mats Hummels, wie auch Leon Goretzka. Das hätte Diskussionen aber nur näher ans Turnier gerückt.

So gibt es sie jetzt für ein paar Tage oder auch nur Stunden, nachdem in den vergangenen Tagen ohnehin nur über die Verpackung statt über den Inhalt diskutiert wurde.

Beim ersten Fehler eines Innenverteidigers während der EM werden die Befürworter von Hummels sagen, dass es eine falsche Entscheidung gewesen sei, den formstarken Dortmunder zu Hause zu lassen.

Sie hätten aktuell auch schon Argumente, denn wenn einer im gesetzten Alter und mit Tempodefiziten in zwei Spielen gegen eine Mannschaft mit Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé zurecht zum “Man of the Match” ernannt wird, dann ist das der Nachweis von Qualität.

Ein gewisses Risiko bleibt

Aber Nagelsmann hat eben auch Argumente auf seiner Seite, denn seine Innenverteidigung mit Antonio Rüdiger und Jonathan Tah hat beim 2:0 in Lyon auch gegen eine Mannschaft mit Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé überzeugt.

Mit seinem vorläufigen Kader beweist Nagelsmann Stringenz. Die berufenen Profis eröffnen ihm alle Optionen für jegliche Taktik, jegliches System und jegliche Anpassung an Spielstände. Der Bundestrainer geht in einem Punkt allerdings ein gewisses Risiko ein.

Fehlen einem Maximilian Mittelstädt, Robert Andrich oder Chris Führich später im Turnierverlauf in engen Spielen gegen Frankreich, Italien oder England Eigenschaften, die Champions-League- und turniergestählte Spieler wie Hummels und Leon Goretzka besitzen, dann holt ihn seine Stringenz ein.

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