Leverkusen trifft wieder spät, Stuttgart kritisiert Zwayer

Stand: 27.04.2024 22:16 Uhr

Die Überlebenskünstler von Bayer Leverkusen verhindern in der Fußball-Bundesliga auch gegen den VfB Stuttgart tief in der Nachspielzeit die Niederlage – und der VfB ist sauer auf Schiedsrichter Zwayer.

Robert Andrich (90.+6) sorgte mit der letzten Aktion einer furiosen Partie am Samstag (27.04.2024) für Leverkusens 2:2 (0:0)-Unentschieden gegen den VfB und damit für das wettbewerbsübergreifend 46. Spiel ohne Niederlage. Die deutschen Nationalspieler Chris Führich (47.) und Deniz Undav (57.) erzielten die VfB-Treffer, Amine Adli (61.) besorgte am 31. Spieltag der Fußball-Bundesliga Leverkusens Anschlusstreffer.

Bereits in der Vorwoche beim 1:1 in Dortmund und in vielen anderen Partien dieser historisch starken Saison hatte Bayer spät getroffen. “Man glaubt natürlich immer wieder daran, aber wenn es passiert, denkt man auch: ‘Das kann doch nicht wahr sein’”, sagte Andrich im Sportschau-Interview. “Das ist ein Indiz dafür, was wir für eine Truppe sind, und dass wir es Tag für Tag, auch wenn wir schon die Meisterschaft haben, bis zum Ende wollen.”

Stuttgarts Coach Hoeneß kritisiert Zwayer

Allerdings war das Tor umstritten. “Es hätte aus meiner Sicht nicht stehen dürfen”, sagte VfB-Trainer Sebastian Hoeneß der Sportschau. Er wies auf einen Ellenbogeneinsatz von Victor Boniface vor dem entscheidenden Freistoß hin und auf das Zweikampfverhalten des Leverkusener Angreifers nach der Freistoßflanke. “Er schiebt mit ausgestreckten Armen den Spieler weg, der dadurch nicht zum Kopfball kommt. Und dann geht der Ball natürlich noch an den Arm. Da haben wir innerhalb von 15, 20 Sekunden drei Situationen, die in die eine Richtung gepfiffen werden.”

Vor allem kritisierte Hoeneß, dass Zwayer die Szene nicht am Bildschirm überprüft hat. “Das Tor ist entscheidend, da erwarte ich, dass er es sich anschaut.”

Handspiel vor Andrichs Treffer?

Zumindest beim vermeintlichen Handspiel lag Schiedsrichter Zwayer allerdings richtig. Nach der Freistoßflanke war der Ball von Piero Hincapies Arm vor die Füße von Andrich geprallt. Es war ein unabsichtliches Handspiel, das direkt im Vorfeld eines Tores aber nur dann strafbar ist, wenn es dem Torschützen selbst unterläuft. Das war hier nicht der Fall.

Hoeneß gab Zwayer auch eine Mitschuld an der Unruhe im Spiel: “Man hat natürlich die höchsten Ansprüche an einen Schiedsrichter, der alle Topspiele bekommt und jetzt auch bei der EM pfeifen darf. Dann ist auch die Erwartung, dass man in der Lage ist, dass das Spiel ein bisschen weniger hitzig wird.”

Auch Stuttgarts Undav ärgert sich über den Schiedsrichter

VfB-Angreifer Undav wurde noch deutlicher. “Wenn ich sagen würde, was ich im Kopf habe, würde ich gesperrt werden. Es war nicht die beste Leistung vom Schiri. Ich glaube, 95 Prozent war gegen uns. Ich hab keine Ahnung, warum er so einseitig gepfiffen hat. Ich glaube, er wollte nicht, dass heute ein Wunder passiert oder Leverkusen die erste Niederlage kassiert.”

Leverkusen ohne Xhaka und Wirtz

Leverkusen war ohne Granit Xhaka (gelbgesperrt) und den geschonten Florian Wirtz (zunächst auf der Bank) mit mehr Schwung in die Partie gestartet, aber die erste dicke Gelegenheit gehörte Stuttgart. Serhou Guirassy kam aus sechs Metern völlig frei zum Kopfball und verfehlte das Tor knapp – solch große Gelegenheiten hatte der Torjäger in dieser Saison selten ausgelassen.

Leverkusen war auch im Anschluss das leicht bessere Team und hätte nach einer halben Stunde fast getroffen. Alejandro Grimaldos Schuss prallte von Alexander Nübels Brust zentral ab, Patrik Schick schoss den Abpraller über das Tor. Zur Halbzeit lag Bayer in Sachen Torschüsse mit 8:2 in Führung.

Führich und Undav treffen für den VfB

Doch unmittelbar nach dem Seitenwechsel schlug Stuttgart dann zu. Grimaldo verschätzte sich nach einem langen Pass, sodass Jamie Leweling auf halbrechts durch war. Dessen Schuss lenkte Lukas Hradecky noch an den Pfosten, aber Führich verwertete den schwierigen Abpraller sehenswert.

Kurz darauf erhöhte Undav auf 2:0, hatte aber Glück, dass sein Tor nicht zurückgenommen wurde. Im Vorfeld hatte er seinen Nationalmannschaftskollegen Andrich am Arm gezogen, sodass der Befreiungsschlag des Leverkuseners misslang. Nur vier Minuten später hätte Guirassy den nächsten Treffer erzielen müssen, doch er ließ auch seine zweite Großchance liegen (60.).

Undav zieht Andrich vor seinem Tor am Arm

Riesen-Doppelparade von Nübel

Die Werkself blieb mutig und der Anschluss folgte prompt, Adli traf von halblinks präzise durch die Beine von Waldemar Anton ins rechte Eck. Kurz darauf rettete Nübel dem VfB die Führung mit einer bärenstarken Doppelparade gegen Adli und Jonas Hofmann (65.).

Die Partie war jetzt richtig rasant, was vor allem an Leverkusen lag, das sich mit aller Macht gegen die Niederlage stemmte. Eine Viertelstunde vor Schluss brachte Trainer Xabi Alonso Wirtz und Boniface.

Stuttgarts Guirassy vergibt, Andrich trifft für Bayer

Guirassy vergab noch eine dritte Großchance (87.) und die Stuttgart-Fans machten sich in der Nachspielzeit schon bereit zum Jubeln – doch dann erhielt Leverkusen noch einen letzten Freistoß aus dem Halbfeld. Andrich sorgte aus dem Gewühl heraus für den nächsten Partyabend in der Leverkusener Arena.

Stuttgart jetzt gegen die Bayern, Leverkusen gegen Rom und Frankfurt

Stuttgart empfängt in einem weiteren Topspiel als nächstes Rekordmeister München (Samstag, 15:30 Uhr). Leverkusen hat zunächst das Halbfinal-Hinspiel in der Europa League bei AS Rom vor der Brust (Donnerstag, 21.00 Uhr) und spielt dann in der Liga bei Eintracht Frankfurt (Sonntag, 17:30 Uhr).

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