Ein Erfolg der Bundesliga als Schaden für die Liga

kommentar

Stand: 18.04.2024 12:35 Uhr

Zwei deutsche Mannschaften haben das Halbfinale der Champions League erreicht, fünf Bundesligisten werden vermutlich kommende Saison in der reformierten Eliteliga spielen, vielleicht sogar sechs. Das könnte gut für den deutschen Fußball sein, zu befürchten ist das Gegenteil.

Der FC Bayern und Borussia Dortmund stehen zurecht im Halbfinale der Champions League. Die beiden Mannschaften waren über beide Partien im Viertelfinale betrachtet besser als ihre Kontrahenten.

Manchester City war besser als Real Madrid, schied aber trotzdem aus, weil Fußball eben ein Spiel ist, in dem viel weniger Tore fallen als im Handball oder Körbe erzielt werden wie im Basketball.

Die stinkreiche Premier League hat gar keine Mannschaft mehr unter den besten vier Europas. Der Gag, dass die Engländer dringend einen Investor brauchen, um international den Anschluss nicht zu verlieren, ist hundertfach gemacht worden.

Superreich und ziemlich reich

Es ist ja auch schön, wenn sich zeigt, dass nicht die Reichsten auch immer unter sich sind, wenn es um die wichtigtse Vereinstrophäe geht. Wobei – Borussia Dortmund wird vermutlich für das laufende Geschäftsjahr auch einen Umsatz von etwa einer halben Milliarde Euro melden.

Der FC Bayern ist mit zuletzt erreichten 854 Millionen Euro schon in anderen Sphären unterwegs. Real Madrid ist zwar hoch verschuldet, hat den Verbindlichkeiten aber auch extrem hohe Werte entgegen zu setzen. Bei Paris Saint-Germain, der Fußballabteilung des Staats Katar, ist es müßig, über Geld zu reden.

Nüchtern betrachtet, spielen also die Superreichen und die ziemlich Reichen aus Deutschland mit den anderen Superreichen aus Europa um die Champions League.

In der kommenden Saison ist dabei noch mehr Geld zu verdienen. Die Angst des BVB, aufgrund der Platzierung in der Bundesliga nicht dabei sein zu dürfen, ist bei weitem nicht mehr so groß wie vor den Viertelfinalspielen. Es ist wahrscheinlich, dass Deutschland einen fünften Platz in der dann künftig zunächst als Liga ausgetragenen Champions League zugesprochen bekommt. Theoretetisch ist sogar ein sechster Teilnehmer möglich.

Die große Diskrepanz dürfte noch größer werden

Das sind herrliche Aussichten für den deutschen Fußball – allerdings nur bei oberflächlicher Betrachtung. Schon kurz-, bestimmt aber mittelfristig wird es dem Wettbewerb in der Bundesliga weiter schaden.

Die aktuelle Saison ist eine der Extreme. Zwischen Tabellenführer und Meister Bayer Leverkusen und dem Tabellenfünften Eintracht Frankfurt liegen 37 Punkte Abstand. Das sind mehr als in der 2. Liga zwischen Spitzenreiter Holstein Kiel und dem abgeschlagenen Letzten VfL Osnabrück liegen (34).

Selbst wenn die überragende Saison Leverkusens als singuläres Ereignis herausgerechnet wird: Auch der FC Bayern hat 21 Punkte mehr als die Eintracht.

Die Münchner, die Dortmunder, die Leipziger waren in den vergangenen fünf Jahren stets in der Champions League vertreten, und sie werden es – sicher oder höchstwahrscheinlich – auch in der kommenden Saison sein. Leverkusen, aufgrund der Ausnahmeregelung bei 50+1 und dem geduldeten Verlustausgleich durch den Riesenkonzern ohnehin mit einem großen und verzerrenden Wettbewerbsvorteil versehen, war in den vergangenen fünf Jahren dreimal dabei und wird es kommende Saison wieder sein.

Allein das Geld, das diese Vereine dank der Eliteliga verdienen, übersteigt den Umsatz anderer Vereine um ein Vielfaches. Auf dem Papier ist der VfL Bochum ein Ligakonkurrent, in der Realität ist er notwendiges Beiwerk. Wobei die Bochumer sogar gegen die fünf aktuell besten Mannschaften in der Bundesliga noch ordentlich gepunktet haben. Wie die nachfolgende Tabelle zeigt, holte nur der 1. FC Heidenheim mehr Zähler gegen die Top 5.

Spiele der unteren Tabellenhälfte gegen die Top 5
VereinSpielePunkteTore
1. FC Heidenheim 9 9 15:19
Borussia Mönchengladbach 9 4 8:18
Werder Bremen 8 4 3:18
1. FC Union Berlin 9 0 2:22
VfL Wolfsburg 9 4 8:18
VfL Bochum 9 8 7:26
1. FSV Mainz 05 9 5 8:23
1. FC Köln 10 1 2:27
SV Darmstadt 98 9 0 6:33

Die beiden Tabellenletzten SV Darmstadt 98 und der 1. FC Köln holten aus bislang 19 Partien aber zusammen nur einen Punkt (Köln 1:1 beim VfB Stuttgart) bei einem kombinierten Torverhältnis von 8:60.

Der 1. FC Union Berlin holte gar keinen bei 2:22 Toren. Union spielte in der Gruppenphase noch in der Champions League mit. Um dauerhaft mit den Topteams oder solchen, die es wie der VfL Wolfsburg wegen des Wettbewerbsvorteils auch sein könnten, mithalten zu können, müssten die Berliner mehrmals in die Champions League kommen.

Geld anders verteilen? Dazu fehlt der Wille

Oder das Geld, das dabei verdient, müsste anders verteilt werden. Aber ein Wille dazu ist beim besten Willen nicht zu erkennen. Stattdessen gibt es künftig eine Klub-WM, bei dessen erster Auflage Deutschland Superreiche (FC Bayern) und ziemlich Reiche (BVB) vertreten sein werden.

Ein Gerangel, das die Spannung verliert

Das fördert deren internationale Wettbewerbsfähigkeit, schädigt aber den nationalen Wettbewerb, der sogar schon unmittelbar ein wenig leidet. Das Gerangel um den fünften Tabellenplatz, das unter anderem noch das direkte Duell zwischen RB Leipzig und Borussia Dortmund bereithält, ist nun vermutlich kein wichtiges mehr.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *